Stern-Theaterproduktion

Miles oder die Pendeluhr aus Montreux

Monolog für einen Schauspieler und eine Jazzband von Henning Mankell


I can tell it from the bottom of my heart that this was a great night really to see what theatre can be with very simple methods. Henning Mankell

Henning Mankells Kommentar (MP3)

In dem Theaterstück „Miles oder die Pendeluhr aus Montreux“ begleitet ein einfacher Schrottplatzbesitzer aus Schweden seinen Kumpel nach Montreux, weil dieser dort Miles Davis als Fahrer dient. Dabei erlebt er backstage das legendäre „Sketches of Spain“-Konzert. Er versteht die Melancholie, die Schönheit und die Tiefe der Musik, die ihn tief trifft. Dieser Moment verändert sein Leben...

Der bekannte schwedische Autor Henning Mankell hat einen berührenden Theatertext geschrieben: eine Hommage an das Genie Davis.
Dabei erzählt er über die Vorurteile, die dem schwarzen Musiker entgegen gebracht wurden, über dessen Liebe zum B-Dur-Akkord, über die Schönheit Juliette Grécos, über die Macht der Musik, über Schweizer Uhren, über Nachhaltigkeit und Luftblasen im Glas und wie man mit dem Schmerz umgeht, wenn ein Mensch stirbt, der einem viel bedeutet...

Daniel Rohr spielt den Schrotthändler Steinar; das zurich jazz orchestra spielt „Sketches of Spain“...

Deutschsprachige Erstaufführung

Regie: Hansjörg Betschart
Übersetzung aus
dem Schwedischen:
Hansjörg Betschart
Musikalische Leitung: Rainer Tempel
Bühne/Kostüme: Tina Carstens
Mit: Daniel Rohr und dem zurich jazz orchestra
Regieassistenz: Werni Naef
Lichttechnik: Lukas Koller
Tontechnik: Patrick Fürst
Produktion: Daniel Rohr und Bettina Uhlmann

Eine Stern-Theater-Produktion Koproduktion mit dem zurich jazz orchestra

Premiere: 27. September 2011 im Theater Rigiblick


Die Inszenierung des Textes
ist, wie die Vorlage Mankells, eine Verbeugung vor Miles: Im Zentrum steht seine Musik. Wir können, von einem Schauspieler verführt, Zaungäste in einem Konzert sein: Wie Zaungäste dürfen wir der vielköpfigen Musiker-Truppe zuhören, als sässen wir backstage, fast mittendrin, und näherten uns dem Klang von dieser ungewohnten Seite. Im Zentrum steht die Musik, und doch soll im Kern die Bewegung des Schrotthändlers Steinar durch den metallenen Klang stehen: Ein schlichter Mensch begegnet der olympischen Kunst. Was Steinar erzählt, ist aber nicht seine Begegnung mit der Kunst, sondern seine Freundschaft, mit seinem Kumpel, dem Freund von Miles Davis. Die Figur wird am Ende ein wenig unser Freund geworden sein, durch seine praktischen Einsichten, durch seine Bodenhaftung, seine Fähigkeit zum Träumen und seine Begeisterung für die Musik eines Einsamen.

Musik ist eine alte Passion von Henning Mankell, insbesondere der Jazz. Als Enkel des Komponisten Ivar Henning Mankell hat der Autor so etwas wie einen eigenen Draht zur Musik entwickelt. Es erstaunt also nicht, dass er nun eine Figur geschaffen hat, die seine Passion widersprüchlich erlebt, ähnlich wie auch sein Held Kommissar Wallander. Steinar ist nicht ein Fan von Miles. Er ist ein Schrotthändler, und Trompeten sind für ihn lange nur Metallstücke. Erst über einen Kumpel nähert er sich einer der Lichtgestalten des zwanzigsten Jahrhunderts: Miles Davis. Steinars Kumpel ist der Fahrer von Miles. Er mag dessen Musik nicht, und wohl gerade deshalb schliesst Miles ihn in sein Herz: Miles misstraute Zeit seines Lebens der Kritik. Er las nie, was über seine Musik geschrieben wurde. Er versuchte immer nur sich selber treu zu bleiben.
Steinar darf seinen Kumpel nach Montreux begleiten, und wird dort backstage Zeuge eines Live-Auftrittes von Miles Davis und seiner Band. Dessen Musik kann in ihm nicht nur die Begeisterung für neue Töne wecken, sondern auch eine Freundschaft stiften: Miles Tod ist der Anlass, den Steinar findet, die Geschichte zu erzählen, die ihn mit Miles und dessen Chauffeur verbindet. Und wie eine leise Ironie auf die gewaltigen Klänge dieses grossen Musikerlebens, bleibt ihm nur, was für ihn der grosse Miles hinterlassen hat – und er holt es vom Schrottplatz: Den rechten Scheinwerfer von jenem Auto, in dem Miles durch Europa tourte. Sein Licht erinnert ihn an den Lieblings-Akkord von Miles, der etwa so klingt wie ein Blick durch die Milchstrasse auf einen einsamen Stern.

 

Szenenfoto

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