Stern-Theaterproduktion

Miles oder die Pendeluhr aus Montreux

Monolog für einen Schauspieler und eine Jazzband von Henning Mankell


Henning MankellHenning Mankell
ist mehr als ein Thriller Autor. Er ist ein besorgter Chronist unserer Zeit, eine Weltenbürger zwischen dem Norden Europas und Afrika. Er schreibt Romane, Drehbücher, Theaterstücke und nicht zuletzt: Kinder- und Jugendbücher. Er ist politischer Aktivist und umsichtiger Vater. Er ist einer, der sich einmischt. Und doch lebt er ein zurückgezogenes Leben. Er ist einer jener Schriftsteller, die ihre Arbeit nicht von ihrem politischen Denken trennen. Allerdings schreibt er keine politischen Bücher. Vielmehr ist er immer Menschen und ihren Widersprüchen auf der Spur: Opfern, Tätern, und nicht selten Menschen, die sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt sehen.
Als Theatermann schreibt Mankell auch für die Bühne.
Mankell übersetzen heisst Henning von Innen zu begegnen. Es fühlt sich meist an wie das Vorbeirasen um einem ruhigen Vulkan. Wenn man sich ihm nähert, heisst es, die Minuten zu planen. Man wechselt die Worte mit Bedacht. Nur kurz gibt er den Blick frei in ein hitziges Herz, das seine Ruhe will, ja, er verteidigt seinen Rückzug gegen jede Störung. Fragen zum Text beantwortet er entweder knapp, oder ausladend. Dem Übersetzer lässt er freie Hand, und legt doch immer wieder einen Finger auf Stellen, die er selber vielleicht so nicht gemeint hat, aber jetzt gerne so sehen möchte. Er wirkt darin immer wieder distanziert, oder äusserst intim. Er hinterlässt die Texte den Spurensuchern hinter ihm, während er schon auf den nächsten Wortberg klettert, um von dort ein Buch ins nächste Tal zu tragen. Er ist ein Unermüdlicher, ein Getriebener. Die Fülle, mit der er uns eindeckt, ist längst erst die Spitze dieses Eisbergs, in dem ein Vulkan wohnt.
Hansjörg Betschart

 

Miles DavisMiles Dewey Davis III
ist am 26.Mai 1926 in Illinois geboren und am 28. September 1991 in Kalifornien gestorben. Er gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Jazz-Geschichte. Er war bekannt für seine Improvisationen mit wenigen und lang anhaltenden Tönen. So schuf er einen großen Kontrast zu den Musikern seiner Zeit, besonders im Bebop. Davis legte konzeptionell immer wieder neue Grundsteine, indem er nie konservativ auf einem Jazz-Stil beharrte, sondern immer mit der Zeit ging und mit jungen Musikern experimentierte. Zahllose Jazzgrößen haben ihren Durchbruch der Zusammenarbeit mit Davis zu verdanken.
„Sketches of Spain“ wurde zwischen November 1959 und März 1960 aufgenommen. Es ist ein Meilenstein in der Musikgeschichte des Jazz und gilt als eines der zugänglichsten Alben von Miles Davis. 1961 wurde es als beste Jazz- Komposition mit einem Grammy ausgezeichnet.
Miles Davis hat nicht Jazz- sondern Kulturgeschichte geschrieben.

 

Daniel RohrDaniel Rohr
* 1960 in Zürich. Nach seiner Ausbildung zum Schauspieler und Regisseur an der Hochschule Mozarteum Salzburg arbeitete Daniel Rohr zunächst am Theater Bonn, bevor er lange Jahre am Theater an der Ruhr in Mühlheim und am Deutschen Theater in Göttingen als Schauspieler tätig war. In diese Zeit fällt auch die Gründung des Göttinger Innenhof-Theater-Festivals, das er bis heute leitet.
1999 kam er zurück in die Schweiz an das Theater Neumarkt Zürich und übernahm 2004 die Leitung des Theater Rigiblick, die er bis heute innehat. Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler, Theaterleiter und Regisseur kann Daniel Rohr auf eine beachtliche Filmkarriere zurückblicken. Er spielte unter anderem in den bekannten Filmen von Sabine Boss „Ernstfall in Havanna“, von Christoph Staub „Sternenberg“, von Fredi M. Murer „Vitus“ und von Michael Steiner „Grounding“. Als Regisseur und Schauspieler zeigte er sich dem Zürcher Publikum in den Produktionen „ZAPPA!, alles über Frank“ „Howl“ von Allen Ginsberg, „The lamb lies down on Broadway“ nach Peter Gabriel, „In einer Sternennacht am Hafen“, „Azzurro“, „Faust“, „Tot he Dark Side of the Moon“, „Miles oder die Pendeluhr von Montreux“, „Loriot. Der Theaterabend“ mit Gastspielen am Schauspielhaus Hamburg und Bremen, Bielefeld sowie in Bangkok und Theheran.

 

Hansjörg BetschartHansjörg Betschart
Der Autor und Regisseur hat nach dem Aufbau des „Jungen Theaters Basel“ dieses jahrelang geleitet. Seitdem ist er als Regisseur in Europa tätig (u.a. Schauspielhaus Zürich, Burgtheater Wien, Staatstheater Hannover, Ernst-Deutsch- Theater, Hamburg, Kammerspiele, München etc.) Unter anderem war er sieben Jahre in Schweden. Von dort rührt auch seine Tätigkeit als Übersetzer von Henning Mankell. Als Dozent war er ausserdem immer wieder für den Nachwuchs im Theater besorgt:. Zum Beispiel an der Kunstuniversität Graz und der Zürcher Hochschule der Künste.
Publikationen (Verlag Nagel & Kimche): Soheila oder ein Himmel aus Glas (1994), X-Liebe (1999), Unruh (2002). Sowie Übersetzungen aus dem Schwedischen: Theaterstücke von Henning Mankell, Lars Noren, Lukas Moodysson u.v.a.

 

Rainer TempelRainer Tempel
(1971) arbeitet am Klavier und auf den meisten anderen Tasteninstrumenten sowie als Komponist, Arrangeur und Dirigent. Musikalisch verwurzelt ist er im Jazz, und wird gleichwohl geschätzt als Musiker im klassischen Bereich wie auch in der sogenannten populären Musik. Zahlreiche Produktionen verschiedenster Couleur belegen seine Kreativität und scheinbare Mühelosigkeit, sich immer weiter zu entwickeln. Eine beeindruckende Diskographie ist die Folge dieses Schaffensdrangs. Orchester, Theater oder Bigbands in ganz Deutschland und in der Schweiz sind Tempels Auftraggeber. Rainer Tempel ist Professor für Jazz-Komposition in Stuttgart. Seit 2006 ist er musikalischer Leiter des Zurich Jazz Orchestra. Workshop, Projekte in der Lehre: Musikhochschule Weimar, Jazzworkshop der Stuttgarter Musikschule, Hochschule für Musik und Theater Zürich, Hochschule der Künste Bern, Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, Jazzforum Aidlingen. Kompositionspreise beim Hessischen Rundfunk, Bigband Blechschaden u.a. Jazzpreis Baden-Württemberg. Stipendiat 2006 der Kunststiftung Baden- Württemberg.

 

Tina CarstensTina Carstens
Die Bühnen- und Kostümbildnerin Tina Carstens arbeitet seit Jahren sowohl freischaffend als auch in verantwortlichen Positionen für verschiedene Festivals. Nach ihrem Studium bei Prof. Herbert Kapplmüller assistierte sie unter anderem bei Achim Freyer, Jörg Immendorf und Christian Boltanski. Seit 1996 schuf sie zahlreiche Bühnen- und Kostümbilder, unter anderem in Nürnberg, München, Berlin, Wien und Biel/Solothurn. Produktionsleitungen für Ausstattung führten sie nach Tokio, Florenz, Lyon, Amsterdam und Madrid. Eine besondere Zusammenarbeit verbindet sie mit der Ruhrtriennale, wo sie mit Regisseuren wie Andrea Breth und Markus Dietze arbeitete und 2008 die Produktionsleitung für Kostüm und Maske übernommen hat. Mit Daniel Rohr am Theater Rigiblick entwickelte sich eine intensive künstlerische Auseinandersetzung bei den Sterntheater Produktionen "Faust", "Azzurro" "To the Dark Side of the Moon", „Miles und die Pendeluhr von Montreux“, „Loriot, der Theaterabnd“ sowie den Silvesterproduktionen des „Theater Rigiblick“.

 

Tina CarstensZurich Jazz Orchestra
Begonnen hat alles vor über 10 Jahren mit einem Haufen ausgehungerter Jazzmusiker. Mittlerweile hat sich der ehemals wilde Haufen längst zu einem professionell strukturierten und vor allem musikalisch herausragenden Orchester formiert, der bis heute als Kollektiv reibungslos funktioniert. 17 Musiker, allesamt Profis mit Solistenqualität spielen bereits seit dem Jahr 2000 in derselben Besetzung. Das Zurich Jazz Orchestra variiert gekonnt zwischen Mainstream und Avantgarde, orchestralem Big-Band-Sound und explosiven Improvisationen der Solisten.
Tradition … Was wäre Jazz ohne Tradition, ohne Grooves, die ganze Geschichten erzählen, ohne musikalische Zitate, die Ehre erweisen, wem Ehre gebührt. Tradition kommt vom lateinischen Verb „tradere“, das sowohl „übergeben“ als auch „weiter geben“ bedeutet. Wir sind ein sehr konstantes Orchester: Viele unserer Mitglieder sind seit der Gründung vor mehr als 10 Jahren beim ZJO. Dadurch prägt das ZJO eine eigene Tradition und gibt sie auch weiter, indem es zum Beispiel Volontären ermöglicht, als Studenten in einer richtigen Big Band zu spielen.
… und Aktualität Nichts ist trister für die Kunst, als sich ständig und ausschliesslich auf Vergangenes zu beziehen. Das ZJO weiss um seine Wurzeln und kann daher umso buntere Blüten treiben. Wir laden Gäste ein, veranstalten internationale Kompositionswettbewerbe, um die Talente von Morgen schon heute zu entdecken und zu fördern, und wir bleiben nie stehen, auch wenn es manchmal bequemer wäre.
Laut … Wir sind laut, keine Frage. Schliesslich sind wir eine Big Band! 17 Mann in einem Raum, da kann es schon mal richtig laut werden. Das heisst aber nicht, dass wir drauflos tröten wie eine dahergelaufene Guggenmusig – wir wissen, was der Begriff „Dynamik“ bedeutet.
… und leise Natürlich können wir auch leise Töne anschlagen. Nichts ist schlimm er für Ohren und Nerven als ein Abend lang volle Lautstärke. Dynamisches Musizieren bedeutet für uns, uns auch zurücknehmen zu können, einem Solisten seinen Raum, dem Stück Luft zum Atmen zu lassen. Wir schätzen uns gegenseitig und wollen, dass Sie keinen Soundbrei serviert bekommen, sondern eben laute und leise Klänge, fortissimo, pianissimo und alles dazwischen.