Der Bankier und Investor Münchhausen steht vor dem Konkurs. Seine Geschäfte laufen schlecht und seine „Freunde“ meiden ihn neuerdings. Vergeblich wartet er auf ihr Erscheinen zur Soirée bei sich zuhause. Einzig der Pianist ist eingetroffen. Im seiner misslichen Situation erinnert sich Münchhausen an die Taten seines Vorfahren, dem legendären Lügenbaron, welcher sich angeblich am eigenen Zopf aus dem Sumpf gezogen hat. Eine irrwitzige Geschichte mit realem Bezug zur aktuellen Finanzwelt entfaltet sich.
«Einige von Münchhausens Grössenphantasien sind heute sprichwörtlich geworden. Ja, der Grössenwahn ist in unserer Gesellschaft regelrecht salonfähig geworden. Er ist mehr als häufig der Motor der Finanzbranche. Münchhausens Enkel ist ein Teil von ihr. So wird der Abend nicht nur eine Hommage an den alten Münchhausen (den es ja wirklich gab), sondern auch das Portrait eines modernen Münchhausens, der just an diesem Abend versuchen muss, sich an seinem eigenen Zopf aus einem Schlamassel herauszuziehen, das er selber angerichtet hat.» Urs Widmer
„Dieses Projekt ist aus der Lust und Sehnsucht von vier Freunden entstanden, gemeinsam etwas Spannendes auf die Bühne zu bringen. Auslöser war die Idee, die berühmten Grössen-Schnurren des Barons Münchhausen neu zu erzählen, in einer Theater-Form, die viel mit Musik zu tun hätte. Dass Daniel Rohr der perfekte Lügen-Baron sein würde: daran zweifelt keiner von uns. Und mit Daniel Fueter fühlt er sich auf der Bühne so wohl wie dieser sich mit ihm. Die beiden sind ein Bühnen-Paar, für das einen Text zu schreiben ein Vergnügen ist.“ Urs Widmer
| Münchhausens Enkel: | Daniel Rohr |
| Der Pianist: | Daniel Fueter |
| Regie: | Peter Schweiger |
| Bühne und Kostüme: | Tina Carstens |
| Musik: | Daniel Fueter |
| Assistenz: | Dave Schneider |
| Licht: | Martin Burkhardt |
| Technik: | Patrick Fürst |
| Produktionsleitung: | Daniel Rohr |
Eine Koproduktion mit dem Phönix-Theater Steckborn
und Stadttheater Schaffhausen.
Premiere: 28. Februar 2012 im Theater Rigiblick
Auszug aus dem Stück:
Münchhausen: „ Zur Zeit hab ich den „Give-me-all-your-money-and-enjoy-the-rest-of-your-life“-Fonds laufen. Wär was für dich, du hast beinah schon das Alter meiner Zielgruppe. Ausschliesslich vergiftete Papiere. Trash. Normalerweise mischst du so Zeug ja unter ein paar solide Papiere. Ich: NUR Schrott und heisse Luft. Bin da ein echter Pionier. Damit bin ich in den Senioren-Markt gegangen. Du ahnst ja nicht, auf welchen Vermögenswerten diese Alten sitzen. Spazieren im Park ihrer Altersresidenz, wackeln mit dem Kopf und sind vielfache Millionäre. Du wirfst den Köder aus, an deiner Leine, und der erste Senior frisst ihn, und die andern Greise sehen das und kommen alle heran gefegt mit ihren Rollatoren und fressen den Köder auch. Den gleichen. Ich hab dir ja das Prinzip erklärt. Am Ende hängen alle am Strick, und ich sammle sie ein. Und das wirft man mir jetzt vor! – Solltest du dir mal durch den Kopf gehen lassen. Ich kann deine Gage direkt deinem Konto gutschreiben lassen. – Wenn der Grädel jetzt noch klingelt, werf ich ihn die Treppe hinunter. Mein JOUR, und kommt nicht. Keiner Kommt. Die haben Nerven. – Wenn deine Konkurrenten dich alle aufs mal angreifen, unvermutet wie die Wölfe, wie jetzt, musst du dich platt auf den Boden werfen, und die verbeissen sich in ihrer Gier in den Papieren und fressen sie sich gegenseitig weg, bis sie erschöpft im Geschirr hängen, in MEINEM Geschirr, und ich peitsche sie so heftig auf ihre Hintern, dass sie besinnungslos vorwärtsstürmen und die Kurse in astronomische Höhe treiben, bis sie tot zusammenbrechen und ich Kasse mache. – Das Beste kommt noch, Mozart! Das wir die Krönung meines Lebenswerks. Ich wette gegen die Nationalbank. Die Nationalbank ist der ideale Kandidat. Die fühlt sich sicher. Ist ahnungslos. Ich geh die frontal an, die ist auf sowas gar nicht gefasst. Sind ja Währungshüter dort, sowas wie Wildhüter für’s Geld, Bannwarte, keine wilden Wilderer wie du und ich. Ich greif denen tief in den Rachen, blitzschnell, durch alle die Devisenreserven und Fremdgeldanleihen und die Staatsverschuldungen hindurch bis zum andern Ende. Da wo sie normalerweise all die Umschuldungskredite ausscheidet. Der Hildebrand, ich kenn den, der hat eine Beisshemmung, und schneller als er papp sagen kann, stülp ich ruck zuck seine ganze Nationalbank u. Da liegen die alle kopfüber und landunter da. Dann können sie lange aus dem Erinnern dumpf Maydy Mayday rufen und Bundesbern und die EZB und den Internationalen Gerichtshof in Den Haag um Hilfe bitten: ich hab meine Schäfchen im Trockenen, und alles legal. Das darf man, andere in die Pleite treiben. Das ist ein Teil des Business.“
